Goslar – zwischen Marktplatz und Fachwerk

Blick über die Stadt Goslar

Es ist einige Jahre her, aber Goslar ist mir geblieben.

Ich weiß noch genau, wie ich damals auf den Marktplatz kam. Sonne auf den Fachwerkhäusern, alles ruhig und gleichzeitig voller Leben. Rathaus, das Hotel Kaiserworth, der Brunnen mit dem goldenen Adler – nichts war laut, nichts drängte sich in den Vordergrund. Und trotzdem war sofort klar, dass dieser Ort etwas hat.

Ich bin einfach stehen geblieben.

Goslar hat nicht lange gebraucht. Zwei Tage, ohne großen Plan, einfach los. Durch die Gassen, vorbei an den alten Häusern, immer wieder stehen bleiben. Es war kein klassisches „ich schaue mir etwas an“, eher ein langsames Ankommen.

Besonders hängen geblieben ist mir die Zeit mit Thomas Moritz. Stadtführer und Archäologe, jemand, der Goslar wirklich kannte. Wir sind zusammen durch die Stadt gegangen, ohne festen Ablauf. Er hat erzählt, gezeigt, auch mal abseits der üblichen Wege. Keine klassische Führung, eher ein gemeinsames Unterwegssein mit vielen Geschichten.

„Es gibt kaum einen Zentimeter historisches Erdreich, das er nicht begutachtet hätte: Der Archäologe und Bauforscher Thomas Moritz. Von seinem profunden Wissen profitierten Einheimische wie Touristen.“*

Später saßen wir noch zusammen und haben weitergeredet. Ganz unkompliziert.

Dass er heute nicht mehr da ist, macht diese Erinnerung stiller. Er hat Goslar geprägt wie kaum ein anderer. Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

Dazwischen gab es einen Ort, zu dem ich immer wieder zurückgekehrt bin. Das Brauhaus. Draußen sitzen, ein Gose trinken, auf die Straße schauen. Leute kommen und gehen, man selbst bleibt einfach sitzen. Dazu etwas zu essen, unkompliziert und gut.

Ein Tag führte mich raus Richtung Wöltingerode. Der Weg dorthin war ruhig. Am Wasser entlang, durch offene Landschaft, kaum Menschen. Einfach gehen. Diese Stunden sind nicht spektakulär, aber genau deshalb bleiben sie.

Als ich aus dem Wald kam, lag das Kloster vor mir. Ruhig, fast ein wenig abgeschieden. Drinnen dann wieder mehr Leben, Geschichte, Räume, die viel gesehen haben. Irgendwann ein kleines Tasting, Kräuter, klare Schnäpse.

Zurück ging es später über Vienenburg und von dort wieder nach Goslar. Ich bin weiter durch die Stadt gelaufen, ohne Ziel. Immer wieder andere Ecken, andere Blickwinkel.

Am Abend noch ein Burger in einem kleinen Laden. Nicht groß drüber nachgedacht, einfach gut.

Später stand ich oben auf einem Kirchturm. Sonnenuntergang über den Dächern, kaum jemand da. Einer dieser ruhigen Momente, in denen man nichts festhalten muss.

In der Nacht saß ich noch auf dem Marktplatz. Wenige Leute, leise Stimmen, ein letztes Bier.

Am nächsten Tag noch einmal durch die Gassen. Die Häuser, das Grün der Hügel drumherum. Dann zurück nach Berlin.

Goslar blieb noch ein bisschen.


* frei zitert von Goslarsche Zeitung