Hamburg im März – Ebbe in der Speicherstadt

Hamburg Panorma Elbe

Hamburg im März hat seinen eigenen Rhythmus. Man erwartet grauen Himmel und Schietwetter – und bekommt plötzlich Sonne. An diesem Wochenende war der Himmel klar, die Luft kühl, und am Ende des Tages hatte ich sogar ein wenig Sonnenbrand auf Stirn und Nase. Nicht unbedingt das, was man im Frühling an der Elbe erwartet.

Wir liefen einfach los. Durch Straßen, über Brücken, immer wieder Richtung Wasser. Hamburg ist eine Stadt, in der man sich treiben lassen kann. Irgendwo hört man Möwen, irgendwo riecht es nach Hafen, und plötzlich steht man wieder vor einem Stück Backstein, das schon seit über hundert Jahren dort steht.

Hamburg Speicherstadt

In der Speicherstadt war Ebbe. Die Kanäle lagen leer da, der Grund aus Schlamm und Schlick sichtbar wie ein freigelegtes Geheimnis. Ein eigenartiger Geruch hing in der Luft. Nicht unbedingt angenehm, aber sehr echt. Ich hatte das so noch nie gesehen, obwohl ich schon oft hier gewesen bin.

Ebbe in der Hamburger Speicherstadt

Vielleicht fiel mir das alles auch deshalb stärker auf, weil Hamburg für mich kein fremder Ort ist. Vor vielen Jahren habe ich hier als Kind gelebt. Nicht lange, aber lange genug, dass manche Bilder geblieben sind. Manchmal fühlt sich die Stadt deshalb weniger wie ein Reiseziel an, sondern eher wie ein Ort, an den man zurückkehrt.

Wir gingen weiter durch die Stadt. Mal Richtung Alster, mal zurück zum Hafen. Der Michel tauchte irgendwann zwischen den Häusern auf, später die Elbphilharmonie. Dazwischen kleine Wege, Plätze, Brücken und immer wieder Wasser.

Hamburg Kontorhaus Speicherstadt

Besonders schön war eine Fahrt mit der Fähre über die Elbe. Der Wind war frisch, aber die Sonne wärmte. Die Stadt zog langsam vorbei: Kräne, Docks, alte Schiffe. Für einen Moment wurde alles still.

Hamburg Hafenkran im Abendlicht

In Övelgönne wurde die Erinnerung stärker. Hier kamen plötzlich Bilder aus der Kindheit zurück. Meine Eltern. Spaziergänge am Wasser. Dinge, die lange zurückliegen und trotzdem irgendwo geblieben sind. Für einen Moment standen wir einfach nur da und sahen auf die Elbe hinaus.

Später liefen wir noch durch Planten un Blomen. Frühling lag in der Luft, auch wenn er noch vorsichtig war. Menschen saßen auf Bänken, irgendwo spielte jemand Musik, und zwischen den Wegen begann langsam alles zu blühen.

Am Abend kehrten wir zurück, müde vom vielen Laufen und voller Eindrücke. Hamburg hatte sich wieder einmal von seiner besten Seite gezeigt: ein bisschen rau, ein bisschen nostalgisch, und gleichzeitig voller Leben.

Manche Städte besucht man. Andere begleiten einen ein Stück durchs Leben.

Hamburg gehört für mich eindeutig zur zweiten Sorte.